Dienstag, 23. Dezember 2014

Vom Leben gelernt- 2014.



Normalerweise ist der letzte Tag des Jahres ein ganz normaler Tag für mich. Ich bin nicht besonders spirituell veranlagt und dieses Gefühl des Neuanfangs, der neuen Chancen und der guten Vorsätze- das gab es bei mir nie. Obwohl ich seit 3 Jahren in einer Phase stecke, in der jedes Jahr mindestens ein großes Ereignis mich richtig aus der Bahn geworfen und mich und mein Leben verändert hat. Dass das Jahr 2014 ein besonderes werden würde, wusste ich schon vorher. Nur war es das auf mehr Ebenen, als ich mir vorgestellt hatte.

Das erste Vierteljahr habe ich mit Lernen verbracht. Mein zweites Staatsexamen und damit der Abschluss meines Studiums standen vor der Tür. Als ich im Mai die Urkunde in den Händen hielt, endete für mich ein Lebensabschnitt, der insgesamt 7 Jahre gedauert hat. Das Ende der unbeschwerten Studentenzeit, das Ende vom verantwortungsbefreiten Leben, dem langen Ausschlafen, dem unter der Woche feiern und dem Geld verdienen mit kleinen Nebenjobs. Vielleicht war das der Moment, in dem sich die Tür zum Erwachsenenleben endlich geöffnet hat.

Ich habe den Eintritt in diese neue Welt erstmal verschoben und bin stattdessen in der Weltgeschichte herumgeflogen. Ich war in Europa und Asien unterwegs und habe viel Neues gesehen und erlebt. Ich habe alte Freunde besser kennengelernt und neue Freunde gefunden, ich habe mich selbst besser kennengelernt und meine Stärken und Schwächen besser im Blick als zuvor. Ich hatte sehr viel Zeit zum Nachdenken- und habe gelernt, dass zu viel Grübelei nicht gut für mich ist. Die Tatsache, dass mir unendlich viele Wege offenstanden und mein Leben sich in eine Vielzahl vollkommen unterschiedlicher Richtungen wenden konnte, war mir überdeutlich bewusst- und hat mich an vielem zweifeln lassen.

Ein alter Bekannter tauchte wieder in meinem Leben auf und nahm innerhalb kürzester Zeit wieder sehr viel Raum in meinem Leben ein. Ich fragte mich, warum. Ich dachte über meine Beziehung nach. Ob all das, was hinter uns liegt, uns stärker gemacht oder ob es uns vielleicht doch ruiniert hat. Oder nicht uns, sondern nur mich. Ich lernte, dass das Leben nicht immer einfach zu erklären und noch viel weniger einfach zu verstehen ist. Ich machte manche Sachen richtig und andere falsch. Ich verstand, dass kein Mensch ohne Fehler ist. Mein Freund nicht, ich nicht, keiner. Dass ich Schwierigkeiten damit habe, Entscheidungen zu treffen. Insbesondere dann, wenn es um die Menschen geht, die mir am Herzen liegen.

Die letzten zwei Monate waren sehr schwer für mich. Ich schrieb weiter an meiner Doktorarbeit und kam nur langsam vorwärts, ich grübelte ständig über etwas anderes nach und konnte mich auf nichts konzentrieren. Ich zog stockend um, suchte eine Stelle und fand keine. Nichts ging vorwärts. Alles nur rückwärts.

Und dann war es ganz plötzlich vorbei.

Ich gab meine Arbeit ab. Ich fand einen Job. Der Umzug lief plötzlich besser. Ich dachte nicht mehr ganz so viel nach. Eine Last nach der anderen fiel von mir ab. Und jetzt stehe ich hier, einen Tag vor Weihnachten. In meinem WG-Zimmer sind nur noch ein paar vereinzelte Dinge. In wenigen Wochen werde ich endlich in einem richtigen Beruf Geld verdienen und Ärztin werden. Real. Die Zeiten der Fernbeziehung sind in ein paar Tagen vorbei. Wir werden herausfinden, ob wir auch in nah und ohne Telefonleitung zwischen uns funktionieren. Und meinem alten Bekannten, der mich seit Jahren verwirrt und ablenkt, habe ich alles gesagt, was ich sagen musste. Er ist weit weg. Wahrscheinlich bleibt er das auch. Und vielleicht kommt auch bald der Moment, in dem mich das nicht mehr traurig macht.

2015 wird alles neu.
Ich weiß nicht, was dieses Jahr für Herausforderungen für mich bereit hält- ich weiß nur, ich bin bereit.

Donnerstag, 20. November 2014

Back-up.



Biffy Clyro- Many of horror

An dem Tag, als unsere Geschichte begann, hat es geregnet. Mir ging es nicht so gut.
Es war Herbst, alles draußen gammelte vor sich hin und mein Freund war mir gerade fremdgegangen.

Wäre ich an diesem Tag frisch getrennter Single auf der Suche nach Ablenkungssex gewesen, wäre das mit uns bestimmt ganz anders verlaufen. Aber ich war kein Single. Ich war nur frisch desillusioniert, stur und auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Und dann bist du reingekommen. Und du hast dich an mich erinnert, und ich habe gemocht wie ich an dir hochsehen musste, weil du so groß bist. Und so schön, dass man ein bisschen länger gucken musste. Mit diesem arroganten Grinsen und einer Prise Gefahr. Du hattest einen Ruf. Ich dachte: Na dann.

Es hat nicht lange gedauert, bis mich die ersten Bekannten auf uns ansprachen. "Der ist total verknallt in dich!", hat meine Mitbewohnerin gesagt. "Ich dachte, zwischen euch läuft was", hat meine Kommilitonin gesagt. "Bei euch merkt man Spannung", hat der Typ in der Bar gesagt. Nein, Quatsch, habe ich gedacht. Guckt ihn euch an. So einer wie der, so einer steht nicht auf mich. So einer reißt sich jeden Abend eine neue heiße Blonde an einem Clubtresen auf.
"Der wohnt doch schon seit langem mit seiner Freundin zusammen", hat dann eine andere Freundin gesagt. Okay, wie bitte?, habe ich gedacht. So einer wie der, so einer redet vielleicht nicht viel über seine Beziehung.

Ich weiß, was du für mich warst in diesem ersten Vierteljahr. Ein gescheiterter Versuch, mir mein Ego von einem anderen Mann aufpolieren zu lassen, nachdem mein Mann es mir mit seinen Autoschlüsseln zerkratzt und eine Beule reingetreten hatte. Ganz harmlos, nur ein klitzekleiner Flirt. Look, don't touch.
Ideal, habe ich gedacht. Er hat eine Freundin. Er wird noch nicht mal versuchen, mich wirklich anzufassen.

Ich habe mich so schrecklich übernommen mit dir. Stellt sich heraus, dass ich das nicht so kann mit dem Trennen von Flirten und Fühlen. Stellt sich raus, dass du doch nicht nur attraktiv bist, sondern auch klug und witzig und interessant. Stellt sich raus, dass es sich anfühlt wie echter Herzschmerz, wenn du kommentarlos den Kontakt zu mir abbrichst und dich monatelang überhaupt nicht mehr meldest, selbst dann nicht, wenn ich schriftlich eine Erklärung einfordere.

Stellt sich heraus, dass ich ohne zu Zögern wieder die Tür öffne, wenn du 2 Jahre nach unserem ersten Gespräch wieder anklopfst, ohne Entschuldigung, Erklärung und ohne Freundin. Ich habe meinen Freund immer noch. Ich habe ja schon gesagt, ich bin stur. Zu stur, um eine Beziehung wegen eines Seitensprungs einfach wegzuwerfen. Leider auch zu stur, um mir meine Gefühle für dich einzugestehen.

Heute hat es wieder geregnet, und mir geht es wieder nicht so gut. Es ist Herbst, draußen gammelt alles vor sich hin und ich habe gerade deine Nummer gelöscht. Fast ein ganzes Jahr haben wir uns jetzt verhalten wie gute Freunde. Fast genauso lange habe ich geschafft, die Fragen und Vermutungen von außen und innen wegzuignorieren. Aber du hast jetzt keine Freundin mehr. Und letzte Woche hat dich nichts mehr davon abgehalten, mich wirklich anzufassen. Und blöderweise war da nur wenig Nein Nein Nein in mir und stattdessen viel zu viel JA. MACH WEITER. GEH BITTE NICHT WIEDER WEG.

Ich weiß nicht so recht, was ich für dich bin. Ich glaube, ich war dein Back-up und du warst meins. Ich glaube auch, dass du mich wirklich magst. Und ich glaube, wir zwei werden uns in diesem Leben immer nur knapp verfehlen, weiter nichts. Und obwohl ich weiß, dass es so besser ist, fühlt sich das beschissen an.
Nicht zu wissen, ob vielleicht doch mehr hinter dir steckt.

Ich hoffe, ich klopfe nicht in 2 Jahren an deine Tür.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Entschuldigung, ich muss kurz auf meinem Handy rumdrücken.


Eine kleine Zwischenmeldung an all diejenigen unter euch, die gerne auf ihrem mobilen Endgerät herumspielen: Ich habe jetzt auch einen Instagram-Account. Ich weiß zwar noch nicht ganz wohin das führen wird- aber wer will ist herzlich eingeladen, mir dabei zuzusehen, wie ich es herausfinde :)
Bis bald.



Dienstag, 23. September 2014

Transition.






Ich befinde mich gerade in diesem merkwürdigen Zwischenzustand. 

Zwischen Studium und Job.
Zwischen WG-Leben und Zusammen ziehen.
Zwischen jung sein und erwachsen werden.
Zwischen prokrastinieren und promovieren.
Zwischen verarmen und Geld verdienen.
Zwischen lachen und weinen.
Zwischen weitermachen und neu anfangen.

Und es bumst meinen Kopf, so sehr. Alles verändert sich auf einmal, alles. Und ich weiß, ich sollte ekstatisch sein. Nach 6 Jahren Fernliebe scheint das Zusammenleben zum Greifen nah. Eine eigene Wohnung statt einem eigenen Zimmer. Nie wieder Kreuzchen machen und stattdessen endlich eine richtige Ärztin werden. Nach Hause kommen und für zwei Kochen. Immer jemanden neben mir liegen haben, wenn ich schlafe. 

Ich wollte das alles die ganze Zeit schon.

Aber noch bin ich nicht angekommen. Noch sitze ich jeden Tag vorm PC und schreibe mit Maklern, denen ich demnächst einen Riesenberg Geld in die Rachen werfen werde, und vereinbare Besichtigungstermine, zu denen ich alleine gehe, weil du arbeitest. Noch vereinbare ich Termine mit Fotografen, nur um am Tag des Bewerbungsfoto-Shootings festzustellen, dass ich einen riiiiiesigen Pickel mitten im Gesicht habe und- fuck photoshop, das geht so einfach nicht. Noch komme ich nicht dazu zu promovieren, vor lauter Studentenbüro und Promotionsamt und Wohnungsbesichtigung und Erledigungen und A B C D E. Noch treffe ich mich mit allerlei Leuten, bei denen oder bei mir, und denke, man, bald wird das alles so anders sein. 

Und noch weiß ich nicht, was mit mir los ist. Vielleicht werde ich es nie rausfinden, aber heute kann ich dir noch nicht erklären, warum ich an Dinge denke, die vor 3 Jahren passiert sind, und daran, dass dieser Makel nie verschwinden wird, und daran, dass JETZT der Moment des perfekten Neustarts wäre, wärst da nicht du, sondern nur er, und wärst du nicht so wunderbar, dass ich dich immer noch liebe, trotz allem, trotz 2011. Noch verstehe ich nicht warum zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust.

Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass ich alles will, Liebe und Aufregung und Alt und Neu und am besten gleichzeitig, für immer. Dass ich egoistisch bin und mich weigere, eine Entscheidung zu fällen, immer mit der Entschuldigung auf der Hinterhand, DU BIST DOCH SCHULD DASS ICH SO GEWORDEN BIN. 

Was Emmy gesagt hat. I was only a baby / now I am what you made me.

Verdammter Mist.