Sonntag, 29. Juni 2014

Obrigada, Portugal.

Hier bin ich wieder, mehr oder weniger heil zurückgekehrt aus Urlaub Nummer 1, Portugal. Und es war so wunderwunderschön dort! Und wir hatten so gutes Wetter! Und ich wäre gern nochmal 2 Wochen geblieben! Und hätte gerne noch viel mehr Fisch gegessen und Portwein getrunken und und und...aber ich sollte mal nicht zu viel jammern, schließlich geht es in ein paar Tagen schon los zu Urlaub Nummer 2. Deshalb habe ich jetzt auch besonders fix die Fotos gesichtet und für euch eine kleine Kollektion zusammengestellt, damit ihr euren nächsten Sommerurlaub schon mal vorplanen könnt :) Wie gewohnt garniert mit meinen äußerst überraschenden Urlaubserkenntnissen. Viel Spaß.

Praia do Paraiso- Carvoeiro
Gerês/Serra da Estrela
Nationalpark Peneda-Gerês

* Als Paar streitet man sich ja schon mal. Im Urlaub streitet man sich tendentiell häufiger, dafür aber über noch unnötigere Dinge als sonst.
* Das Meer vor Portugal ist nicht zu unterschätzen. Im einen Moment sitzt man in der Brandung, im nächsten kugelt man quer über einen Felsen...
* Britische Touristen haben die eindrucksvollsten Sonnenbrände.
* Meistens gibt es 20 Meter neben dem populären Dorfstrand noch eine Bucht ohne Snackbars, Straßenverkäufer und mit steiler Treppe. Dafür ist der dann leer.
* Veganer in Portugal zu sein muss ganz schön anstrengend sein...


Batalha


* Wenn man ein Auto mit GPS bucht, sollte man nicht davon ausgehen, auch das Auto zu bekommen, welches man gebucht hat. Oder ein GPS. Oder einen aussagekräftigen Vertrag.
* Immer immer immer Medikamente und Kontaktlinsenzubehör ins Handgepäck machen! Denn: Geht der Koffer auf dem Hinflug verloren, sitzt man ganz schön in der Kakka.
* Lost Baggage Advice Teil II: Wenn der Pilot während des Fluges durchsagt, dass kein einziger Koffer mitgenommen wurde, empfiehlt es sich am Ankunfstflughafen zum Lost-and-Found-Schalter zu spurten. Sonst verbringt man die ersten 3 Stunden im Urlaubsland in einer sehr langsamen Schlange.

Lissabon/Alfama

Mosteiro dos Jerónimos (Lissabon)
Torre de Belém (Lissabon)

Coimbra

* Beim Sonnencreme-Kauf immer noch auf die Wasserfestigkeit achten! Denn ja: Es gibt tatsächlich immer noch Sonnencreme ohne. Und die läuft bei anstrengenden Wandertouren gerne in Sturzbächen an einem runter. Nicht sonderlich angenehm oder attraktiv.
* Wo auch immer auf der Welt du dich befindest, es gibt immer eine Reisegruppe mit einem Jüüürgeeeeeen.
* In Portugal kann man ganz hervorragend den Umgang mit Fischbesteck erlernen!
* Portwein geht immer.
* Als einziger Deutscher bei einem public viewing in Portugal, während Portugal haushoch gegen Deutschand verliert, empfiehlt es sich nur dezent zu jubeln. Am besten schweigend und mit geheimen Gesten.


Porto
Porto/Palácio da Bolsa

Porto
* Portugiesisches Bier heißt meistens "Super Bock" und schmeckt gar nicht so schlecht. Das Logo sieht aus wie das Lucky Strike Logo. Nur nicht irritieren lassen!
* Nirgends hat man so viel freie Bahn wie auf Portugals Autobahn.
* In Portugal kann man einfach alles finden: Prachtvolle Paläste, junge Universitätsstädte, Atlantik und Mittelmeer, Gebirge, Dürre, Wälder, Felsen, Wasserfälle und Badetümpel...und vieles davon kann man sich schon in 16 Tagen angucken.
* Die Entfernungen in Lissabon, Porto und Coimbra sind nicht so groß...wenn man auf die Stadtkarte guckt. In der Realität liegen meist 3-5 steile Hügelbesteigungen zwischen Punkt A und Punkt B.
* Portugisiesch klingt in meinen Ohren seltsam russisch...oder, ich habe einen russischen Radiokanal erwischt.

Tomar

Serra da Estrela

Batalha/Lissabon
Station Oriente (Lissabon)

Station Oriente (Lissabon)

Océanario Lissabon

Praca do Comércio/ Alfama (Lissabon)
Igreja de Sao Roque/ Bairro Alto (Lissabon)

* Kindle-Lesegeräte sind sooo ein gute Erfindung.
* Männer müssen beim Wandern immer vorne laufen. Da geht es scheinbar um Ehre oder so.
* Erfreulich wenig Mosquitos in Portugal! Und wenn welche da waren, haben sie sich auf meinen Freund gestürzt. Eine Weltpremiere.
* Wie man extra in ein fremdes Land fliegen kann, um dort dann nur am Hotelpool zu liegen und sich alle 40 Minuten zu wenden, ist mir relativ schleierhaft...
* Vom lederhäutigen Mann in roter Speedo am Stammstrand gelernt: Willst du rundum braun werden, darfst du dich niemals hinlegen oder -setzen!
* Überall sooo nette und hilfsbreite Menschen! Die für uns tausend Mal mit dem Flughafen telefonieren! Und uns die schönsten Wanderwege empfehlen und uns von gewissen Speisen auf der Karte abraten...ein Traum :)

Donnerstag, 5. Juni 2014

Come to Mama.


Ich bin zurückgekehrt aus dem Land der wandelnden Untoten, liebe Leute. Ich bin jetzt Ärztin. Wie meine Oma es beschreiben würde, habe ich das zweite Staatsexamen mit "Glanz und Gloria" abgeschlossen (naja, übertreiben wirs mal nicht, hust hust) und darf jetzt offiziell Patienten malträtieren. Nun ja, nicht ganz, erstmal muss ich noch meine Approbation beantragen (und dafür nochmal einen ordentlichen Batzen Geld löhnen), aaaber dann. Ich bin sehr erleichtert und stolz auf mich, weil ich entgegen meiner Befürchtungen diesmal nicht komplett durchgedreht und vor Psychostress und Schlaflosigkeit 6kg leichter geworden bin, wie damals beim ersten Staatsexamen. Es scheint, als hätte sich in den letzten Jahren doch irgendwas bei mir verändert. Nicht die schlechteste Entwicklung, finde ich, und klopfe mir selbst auf die Schulter :)

Da man ja nicht jeden Tag ein 6,5-jähriges Studium abschließt, habe ich mir in den letzten Wochen erstmal so richtig was gegönnt. Das Herzstück meiner Geldrausschmeißorgie seht ihr auf den Fotos: Meine erste richtige Spiegelreflexkamera! Die Canon EOS 600D. Ich bin tierisch verliebt und freue mich schon auf die vielen neuen Dinge, die ich übers Fotografieren, Objektive und Einstellungen lernen werde/muss. Die Fotos hier wurden mit der anderen Kamera aufgenommen (wer hätte damit gerechnet), die ich mir gekauft habe. Jawohl. 2 Kameras. Meine alte kleine Digitalkamera stammt nämlich aus dem Jahre ca. 2004 und macht Fotos der Qualität einer besseren Kartoffel, weshalb ich mir in den letzten Jahren für alle Gelegenheiten, bei denen ich eine kleine, nicht so teure Kamera brauchte (Backpacking und Konsorten), immer die meines Bruders geliehen habe. Jetzt nenne ich die Samsung WB800F mein Eigen und gedenke, sie auch demnächst intensiv einzusetzen. Deeeeenn: Ich gehe wieder auf Reisen! Ich wiederhole: Man wird ja nicht jeden Tag Ärztin. Und außerdem sieht man die schöne Studentenfreizeit niemals so schnell zwischen den Fingern zerrinnen wie jetzt gerade- und deshalb fliege ich nächste Woche mit meinem Freund nach Portugal. Und danach noch 5 Wochen mit einer Freundin nach Indonesien. Waaah ich freue mich so. Die unter Verarmungswahn leidende Studentin ohne konstantes Einkommen in mir sitzt gerade irgendwo in der Ecke und weint. Aber bald werde ich ja quasi rund um die Uhr arbeiten und dafür maaaassenweise Geld verdienen (oder so), damit versuche ich mich jedenfalls zu beruhigen.

Soviel zu meinem Update. Das soll jetzt keine Entschuldigung für meine seltenen Posts sein (danke der Nachfrage an alle, die nachgefragt haben! :)), aber zumindest eine Erklärung, warum es in den nächsten Wochen nicht mehr werden wird. Aber danach werde ich euch mit Urlaubsfotos zubombardieren und vielleicht kriege ich es auch hin, mal wieder ein paar Texte und Zeichnungen und andere Sachen hochzuladen. Da habe ich schon so lange Lust drauf. Noch ein klitzekleines Bisschen Geduld.

Ich hoffe euch allen geht es wunderbar! Und dass ihr die anstehenden Ferien auch für ein bisschen Urlaub nutzen könnt! Sommeeeer, endlich! Bis bald.


Donnerstag, 1. Mai 2014

Augen zu und durch.


Ab und zu zeichne ich auch noch was. 
Ich freue mich schon darauf bald wieder ganz viel Zeit dafür zu haben. 
Noch 2 Wochen.

Dienstag, 15. April 2014

Consent.




Wenn es im Internet um Beiträge über Magersucht, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Vergewaltigung und ähnliche Themen geht, werden diese oft mit einer Trigger-Warnung versehen. Um Menschen, die selbst von diesen Themen betroffen sind, davor zu warnen, weiterzulesen, weil die Texte und Videos die Leser in ein Loch schubsen können, wenn sie empfänglich dafür sind.

Heute Morgen bin ich über diesen Youtuber-Sex-Skandal gestolpert, von dem ich bisher noch überhaupt nichts mitbekommen hatte. Mir waren nur die ganzen „Consent“-Videos aufgefallen, die in den letzten Wochen gepostet worden waren, und ich hatte mich gefragt woher diese ja irgendwie erfreuliche Entwicklung eigentlich kommt. Jetzt weiß ich es. Und jetzt weiß ich auch wozu diese Trigger-Warnungen gut sind.

Ich persönlich bin zum Glück weder von Essstörungen, psychischer Krankheit oder sexueller Gewalt betroffen oder jemals betroffen gewesen. Trotzdem haben mich die Texte von den vielen Mädchen und Frauen dieser Geschichte zurückgeworfen in eine Zeit meines Lebens, an die ich äußerst ungern zurückdenke. Ich hatte ja schon so manche blöde Episode, aber keine von ihnen veranlasst mich so sehr, sie aktiv zu verdrängen, wie diese. Und offen gestanden weiß ich immer noch nicht wie ich damit umgehen soll. Hauptsächlich fühle ich mich schuldig, und das ist es gerade, was mich echt krank macht.

Die Geschichte geht ungefähr so: 

Ich hatte gerade mein Studium begonnen, lernte viele neue Leute kennen und hatte einen Freund, der etwas anderes studierte und mit meinen neuen Bekannten wenig bis eigentlich gar nichts zu tun hatte. Ich sah von außen also so aus wie eine der vielen Ersti-Mädels, die entweder Single war oder einen Altlasten-Freund irgendwo hatte, der früher oder später eh nicht mehr da sein würde. So weit, so gut. 

Einer der ersten Männer, die ich kennenlernte, war X. Er war einer von denen, die nach außen wahnsinnig viel Selbstbewusstsein transportieren, die Gruppe zusammenhalten und ständig irgendwelche Aktivitäten organisieren. Er lernte innerhalb von Tagen gefühlte Millionen Menschen kennen und ich war eine davon. Die meisten Leute aus diesem Freundeskreis sind noch heute meine engsten Studienfreunde. Dafür bin ich X. dankbar, und dasselbe sagen auch heute noch viele andere aus dieser Gruppe.

Ich für meinen Teil war außerdem zufrieden, dass ich endlich einen männlichen Kumpel hatte. So blöd es klingt, ich hatte mir das schon in der Schule immer cool vorgestellt. Ich kam super mit Kerlen zurecht und hatte mir ein Gegengewicht zu meinem bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich weiblichen Freundeskreis gewünscht. X. mochte mich offensichtlich und wir teilten viele Interessen, und zu Beginn erschien mir das alles ganz hervorragend. 

Aber das änderte sich schon nach wenigen Wochen. Genauer: Auf einem Ersti-Wochenende, wo X. mich aus der Gruppe entfernte und mir sagte, dass er mehr von mir wollte. Mir war sofort klar, dass ich keinerlei derartige Gefühle ihm gegenüber hegte. Und das sagte ich ihm auch (die Tatsache, dass ich in einer Beziehung war, hatte als Signal offenbar nicht ausgereicht). Und ich war naiv genug zu glauben, dass meine Antwort das Thema ad acta legen würde. Also ging ich nach diesem Wochenende weiter alleine zu ihm nach Hause und verbrachte Zeit mit ihm. Ich wollte ihn als Freund einfach nicht verlieren, ich hatte mich schon an uns gewöhnt. 

Irgendwann nahm er meine Hand, als wir abends gemeinsam fernsahen. Und genau hier fängt mein Schuldbewusstsein an. Ich war jung, ich hatte Angst, ihn zu verprellen. Ich tat nichts und saß da wie versteinert. Genauso saß ich da, wenn er wieder anfing, mir zu erklären, dass er mit mir zusammen sein wolle. Wie gut wir zusammenpassten. Dass er keine andere so tolle Frau wie mich kannte. Ich guckte angestrengt in eine andere Richtung und schrieb ihm stattdessen in Briefen und Nachrichten, dass ich das auf keinen Fall wollte. Ich ignorierte dass er mir bei der Begrüßungsumarmung ständig an den Hintern fasste. (Wenn ich das heute schreibe, wird mir schlecht, und ich kann es kaum glauben.) Ich ignorierte, dass er mich ständig auf sein Sofa warf und kitzelte und eine körperliche Nähe forcierte, die ich nicht wollte, wie ich ihm mehrfach gesagt, geschrieben und gezeigt hatte. Ich ignorierte, dass er mit auf das Sofa kam mitten in der Nacht, als ich bei ihm übernachtete. Ich muss klarstellen, dass wir uns nie geküsst haben, geschweige denn irgendwas getan haben, was darüber hinaus ging. Er hat mir nie irgendetwas greifbares „angetan“. Trotzdem fühlte ich mich für eine lange Zeit einfach nur schrecklich. Und wenn ich heute daran zurückdenke, tue ich es noch immer. 

Am schlimmsten ist für mich dieses Schuldgefühl.Wieso habe ich nicht deutlicher gesagt, was ich wollte und insbesondere, was ich NICHT wollte? Wieso habe ich ihm nicht einfach eine geklatscht, als er mich anfasste, immer wieder? Wieso bin ich immer wieder hingefahren zu ihm, trotz seines Verhaltens? Wieso habe ich mich geschämt, es meiner besten Freundin zu sagen, die auch mit ihm befreundet war? Wieso gehören manche dieser Ereignisse zu den einzigen Dingen, die meine Schwester nicht von mir weiß? Wieso habe ich es vor meinem damaligen Freund immer heruntergespielt? Wieso tue ich noch heute so, als sei das eine witzige Geschichte, wenn die anderen aus meinem Freundeskreis sich daran erinnern, wie X. damals immer allen erzählt hat, wir hätten etwas miteinander? 

Ich verstehe es immer noch nicht. Die Person, die ich heute bin, würde es niemals so weit kommen lassen. Vielleicht hat mich diese Zeit auch dazu gebracht, sensibler für solche Dinge zu sein und mich besser zu informieren. Aber wieso habe ich noch immer ein schlechtes Gewissen wegen dieser Sache? Wieso halte ich mich immer noch für mitschuldig? Habe ich etwas falsch gemacht?

X.ist vor kurzem mit seiner Freundin weggezogen. Er hat zu niemandem aus der Gruppe von damals noch Kontakt. Nur zu meiner besten Freundin. Und zu mir.
Er hat sich in mancherlei Punkt bestimmt geändert und weiterentwickelt. Ich sage „bestimmt“, weil ich es nicht weiß. Und weil ich sehe, was ich ihm noch zu verdanken habe (wie hätte ich sonst meine Freunde kennengelernt in der ersten Zeit?). Und weil er mir irgendwie Leid tut, weil sich früher oder später alle von ihm abwenden.Und weil ich noch immer nicht schlecht über ihn reden will.

Nachdem ich heute Morgen all diese Berichte gelesen habe, ist mir jedoch klar geworden, dass er damals genau das auch mit mir gemacht hat. Mir ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ich ihn nicht wollte. Meine persönlichen Grenzen konstant und konsequent  missachtet. Meine nicht vorhandene Zustimmung ignoriert. „Consent“. 

Ich bin nicht sicher ob ich diesen Post veröffentlichen will.

Ich wundere mich eigentlich gar nicht mehr darüber, wie wenig Missbrauch aufgeklärt wird, wenn mich schon diese im Vergleich wirklich lächerliche Geschichte dazu veranlasst, mich nach vielen Jahren immer noch schuldig zu fühlen.