Montag, 23. März 2015

Ich will abschließen. Aber irgendwer lässt ständig die Tür offen stehen.


Seit über 4 Jahren bin ich schon hier.

Der Blog hat mir oft so sehr geholfen. Ihr, die ihr gelesen und kommentiert habt. Lebenserfahrung beigetragen und meine Probleme kritisch hinterfragt habt. Obwohl keiner von euch mich kennt, und wahrscheinlich keiner wirklich versteht, was da in meinem Kopf passiert. Denn wie solltet ihr. Ich verstehe es ja selbst nicht. Was ich sehe, wenn ich meine Texte hier durchlese.

Ich sehe ein Manifest meiner Beziehung. Zu meinem Freund. Was uns getrennt und was uns zusammengeschweißt hat.

Ich sehe aber auch ein Manifest meiner Beziehung zu einem anderen Mann. Ich weiß nicht, ob das für andere sichtbar ist. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dieser Anteil überwiegt. Das ist irgendwie schrecklich. Aber auch verständlich. Denn in der Realität überwiegt mein Freund, an jedem Tag, in jeder Stunde. In der Realität habe ich für IHN gekämpft, monate- und jahrelang. Ich habe mir das erarbeitet, und ich bin wirklich ungeheuer stolz darauf, was wir geschafft haben.

Aber in der nicht stattfindenden Realität, in der unbekannten Möglichkeit, in meinen Grübeleien, überwiegt, eben aufgrund des Nicht-Stattgefunden-Habens, die Beziehung zu dem Anderen.

Hier steht alles drin. Der Monat, in dem ich ihn kennenlernte. Ein Hinweis, wie attraktiv ich ihn fand. Wie sympathisch er mir war.
Die Fragen über die Möglichkeit einer Freundschaft zwischen Mann und Frau. Die Frage der Sinnhaftigkeit von Eifersucht.
Die Traurigkeit über sein Verschwinden.
Das Nachgrübeln über das Warum und Wieso.
Dann die Freude darüber, ihn wiederzuhaben.
Und, wenig später, wieder die Trauer über das unvermeidliche Ende.
Das Zerdenken meiner Gefühle. Über das, was passiert ist. Was nicht passiert ist. Was hätte sein können. Was nie sein wird.
Die Frage, inwiefern ich ein schlechter oder guter Mensch bin. Eine schlechte oder gute Partnerin.
Wie ich mich selbst sehe, nach all dem. Und wie ich meine Beziehung sehe.

Hier stand mal alles drin. Ein paar Texte sind mittlerweile verschwunden. Weil ich versucht habe, den Anderen und die Gedanken an ihn aus meinem Leben verschwinden zu lassen, und auch aus diesem Blog. Und doch sitze ich jetzt an meinem Laptop und schreibe schon wieder darüber. Woran das liegt, verstehe ich nicht. Ich habe, was ich wollte. Ich habe nie für den Anderen gekämpft, habe das alles nie als wert genug empfunden.

Aber dann schaue ich in meinen Blog. Und sehe ihn überall. Und wenn er mitten während der Arbeit durch meine Gedanken blitzt, nur eine Sekunde lang, frage ich mich, was das zu bedeuten hat. Wird man so obsessiv, wenn man eine Idee nie wirklich ausprobiert hat? Wenn man den Kontakt beendet und nun alle Freiheit der Welt hat, sich auszumalen, was wohl gerade bei ihm so passiert? Und passieren wird? Bin ich jetzt dazu verdammt, mir für immer und ewig unwillentlich Gedanken um dieses "Vielleicht" zu machen?
Ich habe einfach keinen Bock mehr auf diesen Mist. Wirklich nicht.
Ich will damit abschließen, aber irgendjemand lässt ständig die Tür offen stehen.


Hoffentlich lassen solche Gefühle auch nach, ohne dass man mit ihnen katastrophal gegen eine Wand fahren muss. Und hoffentlich dauert das keine weiteren 4 Jahre.

Sonntag, 15. März 2015

Zusammen sein, für immer.





Ich bin 27 Jahre alt. Ich bin seit bald 7 Jahren in einer festen Beziehung. Und wie in diesem einen Erich-Kästner-Gedicht, das ich so mag, "kann man sagen, sie kannten sich gut". Wir kennen uns sehr gut. Wir kennen uns in- und auswendig. Wir kennen unsere Stärken so gut wie unsere Schwächen, wir sprechen unsere eigene Sprache, und auch wenn wir nicht sprechen, verstehen wir uns- und genau das ist es, was eine langjährige und enge Beziehung ausmacht. Nähe. Geborgenheit. Sicherheit. Vertrautheit. Und genau das ist es, was langjährige Beziehungen meiner Meinung nach auch schwierig macht. Obwohl- schwierig ist wohl der falsche Begriff.

Es macht sie einfach. Ich brauche mich nicht anzustrengen, um meinen Freund zu beeindrucken. Er sieht mich genau gleich an, ob ich geschminkt bin oder gerade unter meiner Decke hervorgekrochen bin, ist völlig egal- ich bin immer schön für ihn, weil er mich liebt. Also- mache ich mich nicht extra schön für unser Filmdate am Sonntagabend. Wie ich es vor unserem ersten Kaffee-Date gemacht habe. 
Er muss mich nicht mehr zum See fahren und mir Sekt und Erdbeeren kredenzen, um mich zu beeindrucken- ich bin ja allein schon davon beeindruckt, dass er es schon so lange mit mir aushält. Also gehen wir halt zusammen einkaufen und in die Stadt, wenn wir was brauchen. Und fahren seltener an den See. 
Er muss mir keine seitenlangen Emails mehr schreiben- ich weiß, was er tut und was er denkt. Also schreiben wir uns Erinnerungs-SMS, damit wir nicht vergessen, wo wir wann welchen Termin haben. 
Wir schauen uns nicht mehr an und müssen sofort knutschen, stundenlang- wir küssen uns stattdessen morgens auf die Stirn, wenn wir zur Arbeit gehen, und schlafen jede Nacht ineinander verknotet ein. 

Und all das ist vollkommen normal, natürlich, und schön entspannt. Aber es ist nun mal so- all das, was man in einer langjährigen Beziehung bekommt- Geborgenheit, Sicherheit, Vertrautheit- das sind die erklärten Feinde von Spannung. Erotik. Und Aufregung.
Und das ist logisch, und natürlich. Aber es ist auch irgendwie traurig. Und ich vermisse es. Und es bringt mich dazu, mir dumme Gedanken zu machen. Und mir die falschen Fragen zu stellen.

Ich langweile mich doch gar nicht. Ich bin nicht festgefahren. Wir reden immer noch miteinander. Wir lieben uns. Wieso kann ich nicht ein bisschen von dem Kribbeln zurückbekommen, das ich am Anfang hatte? Wie geht sowas? Geht sowas?

Es klingt schrecklich, sowas zu lesen. Als Jemand, der seit Jahrzehnten Hollywood-Liebesfilme sieht und entsprechende Romane gelesen hat und immer wieder Aussagen wir "Ich kenne sie seit 15 Jahren, und wenn ich sie ansehe kribbelt es immer noch wie beim ersten Mal" zu hören bekommt, wird man quasi zu der Frage gezwungen: Mache ich mir da was vor? Stimmt mit uns etwas nicht? Ist es nur die Macht der Gewohnheit, die uns aneinander schweißt? Lügen die anderen oder lügen wir uns was vor?

Und dann lernt man irgendjemanden kennen, und derjenige ist neu und interessant und interessiert- und plötzlich werden die Fragen ganz laut, die man sonst im Alltag schön runtergedreht hatte. Verpasse ich etwas? Ich bin noch so jung. Ich habe so wenig erlebt. Ich werde nie wieder zum ersten Mal jemanden küssen. Und alles sonst. Soll es das denn gewesen sein?

Dann schreckt man hoch wie aus einem Alptraum, schüttelt sich kurz und erinnert sich daran, dass man das, was viele suchen, schon seit Jahren lebt. Kommt sich undankbar vor, und untreu. Am U-Bahn-Fenster zischt ein Nicholas-Sparks-Verfilmungs-Poster vorbei. Sei nicht so selbstsüchtig und reiß dich zusammen, denkt man dann. Und fragt sich doch beim nächsten Aufeinandertreffen mit dem großen Unbekannten, wieso man jetzt plötzlich wieder dieses Herzklopfen hat.

Ich habe einen Haufen Freunde in Langzeitbeziehungen. Alle, die ich bisher gefragt habe, wussten, was ich meine. Alle haben dieselben Antworten- man muss doch schätzen, was man sich erarbeitet hat. JA! Das tue ich auch. Aber wer bringt mir den Nervenkitzel zurück? Darauf konnte mir keiner eine Antwort geben. 

Wahrscheinlich kann man im Leben einfach nicht alles haben. Nicht den tollen, zuverlässigen Freund und gleichzeitig den Versuch mit dem interessanten, unzuverlässigen Unbekannten. Nicht Vertrautheit und Sicherheit und Nervenkitzel und erotische Anziehung zur selben Zeit. Nicht Monogamie und Bauchkribbeln forever.

Das ist Biologie, das ist logisch.
Aber trotzdem macht es mich ein bisschen...ra(s)tlos.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Vom Leben gelernt- 2014.



Normalerweise ist der letzte Tag des Jahres ein ganz normaler Tag für mich. Ich bin nicht besonders spirituell veranlagt und dieses Gefühl des Neuanfangs, der neuen Chancen und der guten Vorsätze- das gab es bei mir nie. Obwohl ich seit 3 Jahren in einer Phase stecke, in der jedes Jahr mindestens ein großes Ereignis mich richtig aus der Bahn geworfen und mich und mein Leben verändert hat. Dass das Jahr 2014 ein besonderes werden würde, wusste ich schon vorher. Nur war es das auf mehr Ebenen, als ich mir vorgestellt hatte.

Das erste Vierteljahr habe ich mit Lernen verbracht. Mein zweites Staatsexamen und damit der Abschluss meines Studiums standen vor der Tür. Als ich im Mai die Urkunde in den Händen hielt, endete für mich ein Lebensabschnitt, der insgesamt 7 Jahre gedauert hat. Das Ende der unbeschwerten Studentenzeit, das Ende vom verantwortungsbefreiten Leben, dem langen Ausschlafen, dem unter der Woche feiern und dem Geld verdienen mit kleinen Nebenjobs. Vielleicht war das der Moment, in dem sich die Tür zum Erwachsenenleben endlich geöffnet hat.

Ich habe den Eintritt in diese neue Welt erstmal verschoben und bin stattdessen in der Weltgeschichte herumgeflogen. Ich war in Europa und Asien unterwegs und habe viel Neues gesehen und erlebt. Ich habe alte Freunde besser kennengelernt und neue Freunde gefunden, ich habe mich selbst besser kennengelernt und meine Stärken und Schwächen besser im Blick als zuvor. Ich hatte sehr viel Zeit zum Nachdenken- und habe gelernt, dass zu viel Grübelei nicht gut für mich ist. Die Tatsache, dass mir unendlich viele Wege offenstanden und mein Leben sich in eine Vielzahl vollkommen unterschiedlicher Richtungen wenden konnte, war mir überdeutlich bewusst- und hat mich an vielem zweifeln lassen.

Ein alter Bekannter tauchte wieder in meinem Leben auf und nahm innerhalb kürzester Zeit wieder sehr viel Raum in meinem Leben ein. Ich fragte mich, warum. Ich dachte über meine Beziehung nach. Ob all das, was hinter uns liegt, uns stärker gemacht oder ob es uns vielleicht doch ruiniert hat. Oder nicht uns, sondern nur mich. Ich lernte, dass das Leben nicht immer einfach zu erklären und noch viel weniger einfach zu verstehen ist. Ich machte manche Sachen richtig und andere falsch. Ich verstand, dass kein Mensch ohne Fehler ist. Mein Freund nicht, ich nicht, keiner. Dass ich Schwierigkeiten damit habe, Entscheidungen zu treffen. Insbesondere dann, wenn es um die Menschen geht, die mir am Herzen liegen.

Die letzten zwei Monate waren sehr schwer für mich. Ich schrieb weiter an meiner Doktorarbeit und kam nur langsam vorwärts, ich grübelte ständig über etwas anderes nach und konnte mich auf nichts konzentrieren. Ich zog stockend um, suchte eine Stelle und fand keine. Nichts ging vorwärts. Alles nur rückwärts.

Und dann war es ganz plötzlich vorbei.

Ich gab meine Arbeit ab. Ich fand einen Job. Der Umzug lief plötzlich besser. Ich dachte nicht mehr ganz so viel nach. Eine Last nach der anderen fiel von mir ab. Und jetzt stehe ich hier, einen Tag vor Weihnachten. In meinem WG-Zimmer sind nur noch ein paar vereinzelte Dinge. In wenigen Wochen werde ich endlich in einem richtigen Beruf Geld verdienen und Ärztin werden. Real. Die Zeiten der Fernbeziehung sind in ein paar Tagen vorbei. Wir werden herausfinden, ob wir auch in nah und ohne Telefonleitung zwischen uns funktionieren. Und meinem alten Bekannten, der mich seit Jahren verwirrt und ablenkt, habe ich alles gesagt, was ich sagen musste. Er ist weit weg. Wahrscheinlich bleibt er das auch. Und vielleicht kommt auch bald der Moment, in dem mich das nicht mehr traurig macht.

2015 wird alles neu.
Ich weiß nicht, was dieses Jahr für Herausforderungen für mich bereit hält- ich weiß nur, ich bin bereit.

Donnerstag, 20. November 2014

Back-up.



Biffy Clyro- Many of horror

An dem Tag, als unsere Geschichte begann, hat es geregnet. Mir ging es nicht so gut.
Es war Herbst, alles draußen gammelte vor sich hin und mein Freund war mir gerade fremdgegangen.

Wäre ich an diesem Tag frisch getrennter Single auf der Suche nach Ablenkungssex gewesen, wäre das mit uns bestimmt ganz anders verlaufen. Aber ich war kein Single. Ich war nur frisch desillusioniert, stur und auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Und dann bist du reingekommen. Und du hast dich an mich erinnert, und ich habe gemocht wie ich an dir hochsehen musste, weil du so groß bist. Und so schön, dass man ein bisschen länger gucken musste. Mit diesem arroganten Grinsen und einer Prise Gefahr. Du hattest einen Ruf. Ich dachte: Na dann.

Es hat nicht lange gedauert, bis mich die ersten Bekannten auf uns ansprachen. "Der ist total verknallt in dich!", hat meine Mitbewohnerin gesagt. "Ich dachte, zwischen euch läuft was", hat meine Kommilitonin gesagt. "Bei euch merkt man Spannung", hat der Typ in der Bar gesagt. Nein, Quatsch, habe ich gedacht. Guckt ihn euch an. So einer wie der, so einer steht nicht auf mich. So einer reißt sich jeden Abend eine neue heiße Blonde an einem Clubtresen auf.
"Der wohnt doch schon seit langem mit seiner Freundin zusammen", hat dann eine andere Freundin gesagt. Okay, wie bitte?, habe ich gedacht. So einer wie der, so einer redet vielleicht nicht viel über seine Beziehung.

Ich weiß, was du für mich warst in diesem ersten Vierteljahr. Ein gescheiterter Versuch, mir mein Ego von einem anderen Mann aufpolieren zu lassen, nachdem mein Mann es mir mit seinen Autoschlüsseln zerkratzt und eine Beule reingetreten hatte. Ganz harmlos, nur ein klitzekleiner Flirt. Look, don't touch.
Ideal, habe ich gedacht. Er hat eine Freundin. Er wird noch nicht mal versuchen, mich wirklich anzufassen.

Ich habe mich so schrecklich übernommen mit dir. Stellt sich heraus, dass ich das nicht so kann mit dem Trennen von Flirten und Fühlen. Stellt sich raus, dass du doch nicht nur attraktiv bist, sondern auch klug und witzig und interessant. Stellt sich raus, dass es sich anfühlt wie echter Herzschmerz, wenn du kommentarlos den Kontakt zu mir abbrichst und dich monatelang überhaupt nicht mehr meldest, selbst dann nicht, wenn ich schriftlich eine Erklärung einfordere.

Stellt sich heraus, dass ich ohne zu Zögern wieder die Tür öffne, wenn du 2 Jahre nach unserem ersten Gespräch wieder anklopfst, ohne Entschuldigung, Erklärung und ohne Freundin. Ich habe meinen Freund immer noch. Ich habe ja schon gesagt, ich bin stur. Zu stur, um eine Beziehung wegen eines Seitensprungs einfach wegzuwerfen. Leider auch zu stur, um mir meine Gefühle für dich einzugestehen.

Heute hat es wieder geregnet, und mir geht es wieder nicht so gut. Es ist Herbst, draußen gammelt alles vor sich hin und ich habe gerade deine Nummer gelöscht. Fast ein ganzes Jahr haben wir uns jetzt verhalten wie gute Freunde. Fast genauso lange habe ich geschafft, die Fragen und Vermutungen von außen und innen wegzuignorieren. Aber du hast jetzt keine Freundin mehr. Und letzte Woche hat dich nichts mehr davon abgehalten, mich wirklich anzufassen. Und blöderweise war da nur wenig Nein Nein Nein in mir und stattdessen viel zu viel JA. MACH WEITER. GEH BITTE NICHT WIEDER WEG.

Ich weiß nicht so recht, was ich für dich bin. Ich glaube, ich war dein Back-up und du warst meins. Ich glaube auch, dass du mich wirklich magst. Und ich glaube, wir zwei werden uns in diesem Leben immer nur knapp verfehlen, weiter nichts. Und obwohl ich weiß, dass es so besser ist, fühlt sich das beschissen an.
Nicht zu wissen, ob vielleicht doch mehr hinter dir steckt.

Ich hoffe, ich klopfe nicht in 2 Jahren an deine Tür.